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Haltung des chinesischen Streifenhamsters von Sabine Gindera

Das Heim des chinesischen Streifenhamsters kann ganz unterschiedlich aussehen und gestaltet werden. Die Unterkunft selbst sollte für einen Streifenhamster 0,400 m² nicht unterschreiten, das kann Beispielsweise 100 x 40cm oder auch 80x 50cm sein. Es gilt immer: Je größer desto besser fürs Tier. Die Unterkunft kann ein Aquarium sein, vorzugsweise in 50cm Höhe, damit man hoch einstreuen kann. Bei einem Aquarium ist der Vorteil, dass es optisch ein Hingucker ist, es kann hoch eingestreut werden, ohne dass der Hamster die Einstreu herausbuddeln kann, und das Tunnelsystem, das sich die meisten Hamster bauen, kann bewundert werden. Der Nachteil ist, dass die Hand immer von oben kommt und einige Tiere ihrem Instinkt folgen und die Flucht antreten. Bei sehr schreckhaften und ängstlichen Streifenhamstern kann das von Nachteil sein.

100x40x40cm Aquarium
Anders eingerichtet.

Es eignet sich natürlich auch ein Gitterkäfig. Da Streifenhamster recht gute Kletterer sind, stellt das Klettern am Gitter keine Gefahr dar. Der Nachteil wäre jedoch, dass nicht so hoch eingestreut werden kann, da die Käfigschalen meist nur 10-12cm hoch sind. Es kann durchaus ein höherer Käfig genommen werden und eine weitere Etage angebracht werden.

100x50cm Gitterkäfig, 20cm Selbstbauunterschale

Die wohl beste Unterbringung ist ein Terrarium oder ein Eigenbau in Wunschmaßen. Mit etwas Geschick lassen sich schnell und doch sehr günstig Eigenbauten mit Schiebetüren in Terrarienart selbst bauen.Die Größe des Eigenbaus kann dem Platz der Wohnung bzw. einer Kommode oder eines Tisches angepasst werden. Die Hand kommt von vorne.

Eigenbau in Form eines Aquariums. 140x40cm

Zur Einrichtung gehören einige Dinge, die unumgänglich in jedes Hamsterheim gehören. Dazu zählt ein Laufrad mit mind. 20cm Durchmesser. Besonders wichtig ist eine geschlossene Lauffläche, das bedeutet keine Gitterstreben, in denen der Hamster sich verletzen kann. Laufräder können sowohl aus Holz als auch aus Kunststoff sein. Die meisten chinesischen Streifenhamster urinieren in ihr Laufrad, aus dem Grund lassen sich die Kunststoffräder besser reinigen, Holzlaufräder sollten qualitativ hochwertig sein und können mit einem Kunststofflaufband ausgelegt werden.Kugelgelagerte Holzlaufräder sind sehr leise und kaum hörbar.Es gibt Kunststofflaufräder, die zum reinigen komplett zerlegt und so besser gesäubert werden können. Wichtig: niemals Lauf-/Joggingbälle verwenden, darin haben die Tiere keinen Spaß und werden dazu gezwungen zu laufen, im schlimmsten Fall stoßen sie an Gegenstände und werden verstört! Das Schlafhäuschen sollte nicht zu klein sein und nicht zu kleine Eingänge haben. Für die bessere Nestkontrolle vorzugsweise mit abnehmbarem Dach, so wird bei der Suche nach nicht gefressenen frischem Gemüse das Nest nicht ständig zerstört.Viele kleine Verstecke in Form von Ton- oder Keramikhäuseren, Kork- und Holzröhren oder Weidenbrücken bieten den Streifenhamstern viel Abwechslung. Etagen/Ebenen bieten zusätzliche Lauf- und Kletterfläche, gerade bei Streifenhamstern kann wunderbar die Höhe genutzt werden. Mit Brücken, Ästen oder Zweigen (Obst- oder Nussbaum) können höhere Etagen erreicht werden und zusätzliche Klettermöglichkeiten geboten werden. Ein Sandbad darf gerne etwas größer ausfallen, es eignen sich Auflaufformen auch ein Bonbonglas ist nicht verkehrt. Wichtig: Das Sandbad gehört immer auf eine feste Fläche und nicht in die Streu -gräbt sich der Hamster darunter kann ihn das schwere Sandbad zerquetschen! Das Sandbad wird befüllt mit Chinchilla- oder Quarzsand. Es eignet sich ein zusätzliches Maisgranulatbad.

Grasnester, Kork und Co
Laufrad: Wodent Wheel Junior 20cm
Keramikhaus
Holzlaufrad

Einstreu und Nistmaterial – hier gibt es viele Möglichkeiten. Chinesische Streifenhamster bauen sehr gerne Tunnel, hierfür benötigen sie Einstreu mit der sie dies auch können. Möglich ist es mit normaler Kleintierstreu, Hanfstreu und Strohgehäckseltes. Das Schichten von Einstreu und Heu ist besonders geeignet. Auch Leinenstroh kann verwendet werden. Die perfekte Einstreuhöhe ist von Streifenhamster zu Streifenhamster unterschiedlich, mindestens jedoch 8-10cm, baut der Streifenhamster gerne Tunnel besser 15-20cm. Für das Nest kann unparfümiertes und unbedrucktes Toilettenpapier genommen werden, Baumwolleinstreu eignet sich ebenfalls hervorragend. Eine Baumwollschote kann zusätzlich angeboten werden, hier muss der Streifenhamster sich das Nistmaterial erarbeiten. Wichtig: Bitte niemals Hamsterwatte verwenden, man tut den Hamstern nichts Gutes damit und setzt sie der Gefahr aus sich Gliedmaße abzuschnüren!

Kleintierstreu
Leinenstroh
Heu
Maisspindelgranulat
Chinchillasand
Gänge eines Streifenhamsters

Den Gestaltungsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

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Zwerghamster – Gruppenhaltung

Kaum ein Thema wird zwischen Hamsterhaltern so emotional diskutiert wie die Frage, ob man Zwerghamster einzeln halten sollte oder nicht.

Zwerghamster der Phodopus-Arten wie Dshungarischer, Campbell und Roborowski Zwerghamster sind im natürlichen Habitat keine strikten Einzelgänger, sie führen je nach Art ein loses bis enges Sozialleben mit anderen Artgenossen. In einer Familiengruppe, Großgruppe, als Paar oder Schlafgemeinschaft, vorübergehend bis dauerhaft. Es gibt lediglich Literaturhinweise (siehe z.B. Artikelende) und Beobachtungen, die dies untermauern, keinerlei  Fachliteratur weist diese Arten als Einzelgänger aus.

Doch warum glauben dies dennoch so viele? Warum ist die Meinung so verbreitet?

Mögliche Gründe für den allgemeinen Irrtum können sein:

  1. Der Goldhamster war als erster Hamster in der Heimtierhaltung bekannt und verbreitet, diese Art lebt in der Natur als Einzelgänger und wird zu Recht auch entsprechend in der Heimtierhaltung einzeln gepflegt, von wenigen berechtigten Ausnahmen abgesehen. Als die Zwerghamster bekannt wurden, schloss man mehrheitlich aus Haltung der Goldhamstern auf die Zwerge und hielt sie ebenfalls einzeln. Gingen dann Versuche der Paar- oder Gruppenhaltung schief, fragte kaum jemand nach den Ursachen oder näheren Umständen, denn es belegte doch augenscheinlich, sie wären eben auch Einzelgänger. Das war schlicht die einfache „Lösung“.
  2. Um Vermehrung auszuschließen, werden Zwerghamster wenn, dann gern gleichgeschlechtlich als Paar/Gruppe gehalten. In der Natur ist diese Form des Soziallebens nicht vorhanden, die Tiere haben also keine ererbten/erworbenen Kenntnisse damit umzugehen, ihr Verhalten ist auf gemischtgeschlechtliche Strukturen ausgelegt und mit entsprechendem höheren Risiko des Scheiterns muss gerechnet werden. Nahe liegender als der Anspruch der Halter an die Zwerghamster, sich gleichgeschlechtlich zu verstehen bzw. ansonsten eben einzeln gehalten werden zu müssen, wäre stattdessen der Verzicht auf die Haltung bestimmter Arten.
  3. Es gibt ausgiebige und zahlreiche Dokumentationen über misslungene Gruppen-/Paarhaltung mit jeweils drastischen Folgen für die Tiere (heftige Verletzungen bis Todesfolgen). Dies schreckt einerseits ab, andererseits belegt es scheinbar die Theorie des Einzelgängertums. In der Gruppenhaltung erfahrene Halter würden bei Kenntnis des genauen Ablaufs eines misslungenen Mehrhamsterhaltungsversuchs fast immer die Gründe des Scheiterns erkennen. Genauso wie auch von hochsozialen Nagern wie mongolischen Rennmäusen zahlreiche drastische Szenen eines Gruppenendes bekannt sind, mit teils schwer bis tödlich verletzten Tieren und keinesfalls jede Rennmaus eine x-beliebige andere Rennmaus als Sozialpartner akzeptiert, wobei man hier jedoch nicht von sozialen Haltungsformen abweicht, sondern die Gründe für das Scheitern sucht und auch die jeweiligen „passenden“ Partner, genauso müsste man dies auch bei Zwerghamstern tun.

Gruppen die aus unterschiedlichen Würfen zusammengewürfelt werden, wie dies häufig bei den Tieren in Zoohandlungen der Fall ist, sind eine risikoträchtige Basis. Ebenso liefert eine unbedachte Einrichtung unnötig Zündstoff. Stressfaktoren von außerhalb der Gruppe müssen ebenso berücksichtigt werden. Zwerghamster, die nur wenige Wochen in ihrer Familie/Gruppe aufwuchsen, sind generell ungeeigneter für die Mehrhamsterhaltung.

Das arttypische Sozialverhalten ist zum großen Teil angeboren, es muss aber auch geübt werden, am besten im geschützten Familiengruppenumfeld. Junge Zwerghamster lernen miteinander und von den Eltern wie Konflikte unblutig gelöst werden. Unterwerfungs- und Deeskalationsgesten werden im Einsatz geübt und können später sicher eingesetzt werden. Das gesamte Verständigungsrepertoire wird, wie bei uns Menschen die Sprache, im Miteinander geübt. Endet dieses Miteinander bereits mit 3-4 Wochen und die Tiere sehen sich nun völlig fremden anderen Artgenossen gegenüber, die auf dem selben Lernstatus sind, wie dies z.B. im Zoohandel üblich ist, dann kann dies gut funktionieren, doch mögliche Probleme sind sehr wahrscheinlich.

Welche Bedingungen entscheiden maßgeblich über ein Gelingen der Mehr-Zwerghamsterhaltung?

Herkunft, Grad der Ausprägung des Sozialverhaltens

Wenn bereits die Hamster der Geburtspopulation und deren Ahnen in Gruppenhaltung/Paarhaltung gelebt haben, ist die Chance, dass die Nachzuchten auch dazu in der Lage sind, hoch. Hinzu kommt noch inwieweit Sozialverhalten vererbt wurde und in wieweit die Jungtiere dieses üben und noch hinzulernen konnten. Werden sie bereits mit 4 Wochen von den Eltern getrennt, sind die Chancen geringer, als wenn sie erst mit 6-8 Wochen aus ihrer Herkunftsfamilie ausziehen. Hamster aus einer Herkunftsgruppe verstehen sich viel eher, als Tiere, die aus unterschiedlichen Gruppen vergesellschaftet werden, letzteres sollte man nur in Sonderfällen (wie neuer Partner nach dem Tod des ersten) versuchen. In der Natur entstehen keine gleichgeschlechtlichen Gruppen und wenn sich sozusagen Hamster neu vergesellschaften, dann immer gemischtgeschlechtlich. Insofern lassen sich auch bestehende Gruppen gut aufteilen, aber keine neuen bilden.

Hamster aus Massenzucht, wie sie überwiegend im Zoohandel angeboten werden, hatten gruppenbezogen meist einen ungünstigen Start ins Leben. Die Jungtiere werden, sobald sie selbständig sind, mit etwa 3 Wochen von den Eltern getrennt und mit anderen Würfen zusammen gesetzt und teils je nach Farbe später noch mal neu sortiert in den Zoohandel geliefert. Das junge Alter macht die Tiere für die Käufer attraktiv und wenigstens vorübergehend insofern gruppenfähig, als sie sich erst mit zunehmendem Lebensalter untereinander streiten, d.h. der Handel hat eine gewisse Zeitspanne, in der die Tiere noch miteinander irgendwie klar kommen und so gemeinsam in einem Käfig sitzen können. Hamster aus solchen Gruppen sind selten dauerhaft harmonisch zueinander, einerseits mangels erübtem Sozialverhalten, andererseits entstammen sie unterschiedlichsten Würfen/Familien.

Individuum

Hamster haben individuell verschiedene Charaktere, manche sind enorm friedfertig, manche schnell auf Konfrontationskurs, die meisten kommen allerdings grundsätzlich miteinander aus. Aber es gibt, genauso wie bei uns Menschen, vom ersten Anblick an Sympathien und Antipathien, auch Wurfgeschwister verstehen sich unterschiedlich gut und so kommt es immer ein wenig auf die Individuen, die Konstellation und die Situation an, ob eine Gruppe dauerhaft harmonisch sein kann.

Unterkunft, Gestaltung der Einrichtung

In Abhängigkeit von der Hamsterart und -anzahl sollte man die Gehegegröße wählen. Ein Paar, Duo oder Trio kann ab 100×40/80×50 cm Bodenfläche oder entsprechend untergebracht werden. Je mehr Fläche, umso mehr Einrichtung kann und sollte eingebracht werden. Fläche allein bedeutet wenig, so kann ein Trio bei unüberlegter Einrichtung auf 100×40 genau aus den gleichen Gründen in Zwist geraten, wie auf 150×60 bei Verwendung der selben Einrichtung. Zuviel Fläche gibt es eigentlich kaum. Versteht sich eine Gruppe, dann tut sie dies auch bei viel Fläche. Allerdings gibt es Konstellationen, die sich auf eng „verstehen“, bei ausreichend Platz dann aber zerstreiten, in diesen Fällen hat sich die Gruppe vorher nur aus Mangel anderer Möglichkeiten verstanden. Sie ist als Gruppe aber nicht wirklich harmonisch gewesen, nur unter dem Umstand, dass sich die Tiere auf engen Raum freundlich zueinander verhalten, die Einhaltung bestimmter persönlicher Grenzen sowieso nicht möglich ist und Konflikte nicht gelöst werden könnten bzw. nur unter Todesrisiko. Genau deshalb gibt es Kleingruppen, die auf engem Raum wie z.B. 50x30cm („sogenannte Hamsterknasthaltung“) funktionieren, dann aber bei Haltung auf angemessener Fläche mit der Zeit zerfallen, die Tiere separiert werden müssen.

Patentrezepte für die Flächenmaße im Verhältnis zur Hamsterzahl gibt es nicht, ein wenig ist Ausprobieren, Gefühl und Anpassen an die jeweiligen Individuen gefragt.

Die Einrichtung sollte gut strukturiert sein, d.h. etwas unübersichtlich und auf alle Fälle so, dass es immer Ausweichwege gibt und grundsätzlich immer zwei Wege zu einem Ziel (Etage, Sandbad, Höhleneingänge, …) führen, Sackgassen nur dort sind, wo wegen z.B. Ecksituation keine anderen Möglichkeiten bestehen. Es sollten sich viele Wegemöglichkeiten zwischen den Einrichtungsgegenständen wie Korktunneln, Halbröhren, Höhlen ergeben, Wege sollten möglichst wenig fest vorgegeben sein wie es z.B. Laufstrecken auf längeren Brücken ohne weitere Abgänge wären. Gerade, lange Wege sind unnötig, sie kommen in der Natur fast nie vor und wenn, dann meist nur um von A nach B zu kommen. Einen kleinen Eindruck vermittelt einem z.B. die Beobachtung der täglichen Wegestrecken eines Igels im Garten.

Durch reichlich Heugabe über die Einrichtung erzielt man den gleichen Effekt wie ihn die Bodenvegetation in der Natur hat: Deckung. Als Beutetier sind Hamster einem großen Feinddruck ausgesetzt, sie sind Fluchttiere, dieser Instinkt bleibt bestehen, auch wenn keinerlei Greifvögel unsere Zimmer bevölkern. Entsprechend positiv wirkt sich eine vorhandene Deckung auf die Grundanspannung der Tiere aus, also auf den möglichen Dauerstresslevel, den man ihnen niemals ansieht. Zwerghamster nutzen Heu ausgiebig, sie arbeiten es in die selbst erstellten Gangsysteme ein, fressen es teilweise und untertunneln es oder richten sich Nester unter Heubergen ein.

Das Gehege sollte für die Bewohner nicht vom Boden aus überschaubar sein. Konfliktsituationen oder kleine Streitigkeiten sind durchaus normal, doch sollten die Tiere auf jeden Fall die Chance haben, sich dann bewusst aus dem Weg zu gehen, auch dies ist wichtig, damit sich die Gemüter wieder beruhigen können.

Konkurrenzsituationen sind einer der Hauptgründe für Revierverteidigung oder Streitigkeiten. In der Natur sind vor allem die Faktoren Nahrung und Fortpflanzung maßgeblich, in der Heimtierhaltung fällt bei gleichgeschlechtlicher Haltung die Fortpflanzung bereits weg, was die Nahrung angeht ist sie zwar ausreichend/im Überfluss vorhanden, doch sollte sie bei mehreren Tieren auch entsprechend gestreut angeboten werden. Hamsterduos oder Trios futtern womöglich noch harmonisch nebeneinander aus einem Napf/an einem Platz, doch bei größerer Individuenzahl sollte das Futter an mehrere Stellen verteilt werden, damit jeder in Ruhe fressen kann.

korrekte Interpretation des Verhaltens der Tiere untereinander

Nicht jede Rangelei und Meinungsverschiedenheit ist ernsthaft oder hat das Potential zur Eskalation. Kleinere Zwiste gehören bei vielen Hamstergruppen zur Tagesordnung und sind normal. Ernsthafte Auseinandersetzungen haben immer eine Vorgeschichte, eine Eskalation entwickelt sich, niemals gehen die Tiere von jetzt auf gleich derart aufeinander los, dass sie sich verletzen. Sie beginnen sich vorher zu vermeiden, zu vertreiben, anders als vorher aufeinander zu reagieren. Man muss also die Hamster beobachten und lernen Änderungen im Verhalten untereinander zu erkennen. Natürlich erschreckt man sich beim ersten Beobachten eines Konfliktes, wenn zwei Zwerghamster sich gegenüberstehen, anknarzen, einer auf den anderen losspringt und der andere sich auf den Rücken wirft und quietscht. Doch oft ist das ganz normal, beide haben einen Konflikt, einer setzt sich durch, der andere unterwirft sich. Selbst harmloses Zwicken kann dazugehören. Genauso wird auch eine Rangordnung überprüft. Das mag schlimm aussehen, ist für die Tiere aber normal. Erst wenn bei den Knarzereien schrille Töne hinzukommen, sich die Tiere nachhaltig verfolgen, keine Rückzugsgebiete mehr eingehalten werden, teils schon nur beim Anblick des anderen quer durch das Gehege gesaust wird, um auf den anderen loszugehen, dann bahnt sich Ernsthaftes an und man muss umgehend überlegen, welches Tier oder welche Tiere gemeinsam in ein anderes Gehege umziehen. Es kann sinnvoll sein, den Unruhestifter raus zu nehmen oder z.B. das unterlegenste Tier mit einem friedlichen Artgenossen, wenn es offenkundig unter Dauerstress aufgrund zu hohen Druckes leidet. Das muss jeweils individuell in Abhängigkeit von den Tieren und ihrem Verhalten zueinander entschieden werden.

Solange alle noch in einem Nest schlafen, beruhigen sich die Gemüter offensichtlich ausreichend, andererseits müssen nicht immer alle Tiere zwangsläufig in einem Nest schlafen, Hamstergruppen können auch verschiedene Nester haben, sich aber trotzdem harmonisch verstehen.

Zeichen für zunehmenden Stress oder Unwohlsein können sein, dass immer Futter in den Backentaschen ist, Hamster offensichtlich abnehmen, den Kontakt zu Artgenossen meiden und vieles mehr.

Bei Paarhaltung zeigt sich kippende Harmonie häufig durch stets volle Backentaschen eines Partners an. Der Hamster bunkert dann sozusagen seinen Vorrat bei sich und glaubt er sich allein und sicher, dann wird der Vorrat ausgepackt, ein Teil davon gefressen und danach alles Übrige wieder in die Backentaschen zurückgehamstert.

Anerkennen der dynamischen Prozesse innerhalb einer Gruppe

Hamstergruppen in der Natur sind von Wandel, Zu- und Abgängen gekennzeichnet. Einerseits durch Geburt von Würfen, Dezimierung durch Feinde, Alter/körperlichen Verfall und Tod. Insofern sind auch die Rangordnungen nicht fix. Alphatiere verlieren mit dem biologischen Ende ihrer Fortpflanzungsperiode häufig ihren Status, müssen sich dann unterordnen oder werden vertrieben, die nachrangigen Tiere tragen dann unter sich aus, wer sich als herausragend gegenüber den anderen durchsetzt und so neu die Alpha-Position einnimmt. Hamster sind matriarchalisch, d.h. die Weibchen dominieren immer gegenüber den Männchen. Deshalb gibt es auch keine Verpaarung gegen den Willen des Weibchens, eher würde das Männchen tot gebissen, wenn es seine Versuche nicht aufgibt.

Gleichgeschlechtliche Gruppen haben nur selten so ausgeprägte Rangstrukturen wie gemischtgeschlechtliche Gruppen, denn die Konkurrenzsituationen um Geschlechtspartner und Futter entfallen. Dennoch kann sich bei Alter, Tod oder Krankheit eines oder mehrerer Tiere das soziale Gefüge in der Gruppe ändern. Manche Gruppen kümmern sich intensiv um alte/kränkliche Tiere, manche mobben diese und grenzen sie mehr und mehr aus, hier bleibt dann nur das Tier zu separieren.

Welche Unterschiede sollte man artbedingt in der Heimtierhaltung berücksichtigen? Welche Zwerghamster eignen sich für die Einzelhaltung, welche für gleichgeschlechtliche Haltung?

Grundsätzlich sind beide Haltungsformen aus dem Wunsch der Vermehrungsunterbindung heraus ein Kompromiss zu Lasten der Tiere, wenn man ihr natürliches Leben berücksichtigt (gemischtgeschlechtliches Zusammenleben), jedoch gibt es meiner Ansicht nach tragbare Kompromisse.

Gleichgeschlechtliche Gruppenhaltung funktioniert am ehesten bei Nagern, bei denen auch gemischtgeschlechtliche Gruppen von beiden Geschlechtern mehrere Individuen beinhalten, insbesondere wenn diese nicht alle am Fortpflanzungsprozess teilnehmen.

Campbells bilden in Heimtierhaltung häufig große Familiengruppen, in denen alle fortpflanzungsfähigen Weibchen ab einem bestimmten Alter (meist nahezu adult) gedeckt werden, jedoch ausschließlich vom Alphamännchen. Adulte männliche Nachkommen werden in der Gruppe vom Alphamännchen geduldet, jedoch nur, solange sie keine eigenen Fortpflanzungsaktivitäten entfalten, dann werden sie unverzüglich vertrieben. Angeführt wird die Gruppe vom Alphaweibchen, dem sich alle anderen Hamster unterordnen, auch das Alphamännchen und dieses auch unter die weiteren Weibchen. Aus solchen Familiengruppen lassen sich in der Regel problemlos Tiere eines Geschlechts zu gleichgeschlechtlichen Gruppen zusammensetzen, hierbei vertragen sich männliche wie weibliche Gruppen gleich gut. Einzeltiere sind nicht der natürliche Normalfall und deshalb sollte man immer versuchen, Campbells in Gruppen aus Geschwistern zu halten. So können sie zwar nicht ihr gesamtes Sozialverhalten ausleben, haben aber zumindest Artgenossen als Sozialpartner.

Dshungaren sind teils als harmonisches, gemischtgeschlechtliches Paar, welches dauerhaft zusammenleben kann und unter einer Trennung leiden würde oder als vorübergehendes Paar, welches sich nach Verpaarung oder nach Geburt eines Wurfes wieder trennt, anzutreffen. Die Nachkommen werden je nach Charakter/Veranlagung der Eltern unterschiedlich lang geduldet, bevor sie zunehmend vertrieben werden. Nur selten versteht sich ein Paar dauerhaft mit seinen Nachkommen. Teilt man die Jungtiere in zwei Gruppen nach Geschlechtern auf (zog die Mutter den Wurf allein auf, dann können die Mädel zunächst bei der Mutter bleiben), so nimmt auch hier die Distanzierung der einzelnen Hamster zueinander mit der Zeit zu und man muss die Gruppe immer weiter aufteilen, bis man schließlich alle Hamster einzeln hält. Es kommt vor, dass sich Brüder, Schwestern oder ein Elternteil mit einem Kind mehrere Monate noch gut verstehen, lebenslang jedoch äußerst selten. Möchte man Dshungaren halten, aber nicht züchten, so ist also eine Einzelhaltung aus Tiersicht die beste Variante, da gleichgeschlechtliche Sozialpartner nur in Ausnahmefällen dauerhaft akzeptiert werden.

Roborowski Zwerghamster bilden eher kleinere Familiengruppen aus dem Elternpaar mit ein oder zwei Würfen. Wird ein weiterer Wurf geboren, werden häufig die ältesten Nachkommen vertrieben oder der jüngste Wurf dezimiert bzw. getötet, Großgruppen wie sie bei Campbells möglich sind, dürften die Ausnahme sein. Teilt man die Jungtiere gleichgeschlechtlich auf, können sich diese als Gruppe dauerhaft harmonisch verstehen oder auch durch Zwist in weitere Gruppen teilen oder sogar in Einzeltiere. Weil Roborowskis durchaus als größere Familie leben, sollte man zumindest versuchen, ihnen Sozialpartner zu geben und die Jungtiere als Kleingruppe/Duo zu halten.

Generell gilt, man sollte niemals mehr Individuen in einer Gruppe halten, als man im schlimmsten Fall des Gruppentotalzerfalls auch einzeln unterbringen kann.

Gruppenübernahmen

Was tun, wenn eine gemischte Gruppe beim Tierschutz strandet? Dass die weitere Vermehrung unbedingt verhindert werden soll, ist nahe liegend, insofern ist die Trennung nach Geschlechtern die erste Maßnahme. In den entstehenden Gruppen werden Ränge teils neu festgelegt, leichte und kurze Auseinandersetzungen sind also normal. Bei genauer Beobachtung erkennt man schnell, welche Tiere sich verstehen, wer Unruhe stiftet (Achtung, ein klarer Anführer, der die anderen jeweils unnachgiebig auf die Ränge verweist, ist nützlich, er hält die Gruppe stabil, sollte allerdings Unterlegene nur begrenzt verfolgen und muss Rückzugsgebiete anerkennen, sonst herrscht Dauerstress für alle Beteiligten, eine Eskalation ist möglich), wer lieber nur für sich ist usw. So kann man eventuell weitere Gruppen bilden, schlimmstenfalls hat man diverse Einzeltiere. Diese sollte man einzeln belassen, man kennt selten die Vor-Erfahrungen, die Ausprägung des Sozialverhaltens und kann schwer einschätzen, ob die Tiere überhaupt noch partner-/gruppenfähig sind.

Ein seriöser Züchter wird Campbell- oder Roborowski-Jungtiere nur aus jeweils einer Gruppe gemeinsam zur gleichgeschlechtlichen Haltung abgeben und dies auch erst dann, wenn diese alt und reif genug sind, also hinreichend soziales Miteinander geübt haben. Natürlich sind junge Hamster anziehender und so wollen viele Interessenten ihre Hamster möglichst jung bekommen, im Sinne und zum Wohle der Tiere sollte man darauf verzichten und sich mit Wurffotos über die Zeit bis zur Abgabe trösten und die Entwicklung miterleben. Eine absolute Garantie auf lebenslange Harmonie hat man auch bei solcher Gruppe nicht, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle (siehe oben), aber sie ist die bestmögliche Ausgangsbasis. Wenn bei einem solchen z.B. Duo ein Tier früh verstirbt, wird das zurückbleibende Tier nach einer gewissen Trauerzeit selbst zeigen, ob es einen neuen Artgenossen braucht oder nicht. Ob es sich deutlich anders verhält als früher, interessenlos ist, weniger frisst, weniger aktiv ist usw. Auch für Hamster ist nicht jeder Artgenosse gleich und manche Hamster sind sehr auf einen bestimmten Artgenossen bezogen, für sie ersetzt kein anderer diesen einen. Dies ist z.B. bei harmonischen echten Dshungarenpaaren häufig der Fall.

empfehlenswert hierzu auch: http://www.rodent-info.net/campbell_zwerghamster_allgemeines.htm#sozialverhalten

und die dort angegebenen weiteren Quellen:

http://www.rodent-info.net/campbell_zwerghamster_weitereinfos.htm

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